
Besonders betroffen sind das Handwerk, Lagerberufe, Dachdeckerbetriebe und technische Bereiche. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer warnen vor einem zunehmenden Fachkräftemangel. Jörg Nolte, Hauptgeschäftsführer der IHK Arnsberg, betont: „Die fehlenden Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen.“ Die Gründe für die angespannte Lage sind vielfältig. Betriebe berichten von zu wenigen Bewerbungen und oft mangelnder Qualifikation. „Wir erleben schwache Sprach- und Rechenkompetenzen sowie fehlende Belastbarkeit und Motivation“, so Nolte weiter. Einigkeit herrscht darüber, dass Ausbildung wichtig ist. Johannes Huxol von Trilux in Hüsten sagt: „Nur so lässt sich die demografische Entwicklung abfangen.“ Gerade die Gastrobranche bei uns hat oft Probleme, geeignete und den Anforderungen gewachsene Azubis zu bekommen. Mancher schmeiße schnell hin, sagt z.B. Andre Wiese vom H1 in Meschede.
Ausgebildete junge Menschen seien langfristig günstiger und motivierter als Quereinsteiger. „Sie schätzen in der Regel ihren Ausbildungsbetrieb und sind oft motivierter“, so Nolte. Die IHK Hellweg-Sauerland erwartet, dass das laufende Jahr besser wird als das Vorjahr. „Dazu gibt es Belege in der Konjunkturumfrage“, so die Kammer.
Handwerk besonders von Azubimangel betroffen
Auch Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, sieht große Probleme im Sauerländer Ausbildungsmarkt: „Im Handwerk bleiben über 400 Ausbildungsplätze (Ausbildungsjahr 24/25) unbesetzt. Der Renteneintritt der Baby-Boomer und der doppelte Abiturjahrgang in NRW verschärfen die Lage.“ Einige Betriebe geben die Suche nach Auszubildenden bereits auf. Regional gibt es Unterschiede: „Im Kreis Olpe gab es ein Plus von 21,8 Prozent bei neuen Ausbildungsverträgen, während die Zahlen im Hochsauerlandkreis und Märkischen Kreis rückläufig sind“, so Schmitt. Die Ausbildungsmarktpartner fordern, junge Menschen stärker für die duale Ausbildung zu begeistern. Dazu gehört auch eine Willkommenskultur für Fachkräfte aus dem Ausland. „Wir müssen ungelernte Mitarbeitende durch Teilqualifizierungen fördern“, so Schmitt. Der Wettbewerb um Nachwuchskräfte werde härter. Das Handwerk steht in direkter Konkurrenz zur Industrie und zu akademischen Bildungswegen. Gute Nachrichten gab es zuletzt aus dem Bauhauptgewerbe. Dort gab es im vergangen Jahr ein Plus bei den Azubis von fast 13%. Die Branche hofft, dass der Wohnungsbau im kommenden Jahr anzieht.