
Wenn Städte und Gebäude auch im HSK in leuchtendem Orange erstrahlen, läuft wieder die weltweite Kampagne „Orange your City“. Sie will auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.
Auch in diesem Jahr beteiligt sich der ZONTA Club Arnsberg an der globalen UN-Kampagne „Orange The World“. Ab heute, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, bis zum 10.12. dem Tag der Menschenrechte, gibt es sichtbare Zeichen der Solidarität.
Die Farbe Orange steht dabei für Hoffnung und eine Zukunft frei von Gewalt. Sie soll Mut machen, hinzuschauen, aufzustehen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Am Arnsberger Rathaus wird die Aktionsflagge gehisst und werden – gemeinsam mit dem Zonta Club Arnsberg – drei weitere orangene Bänke im Stadtgebiet aufgestellt, die auf das Thema aufmerksam machen.
Caritas-Verband Arnsberg-Sundern macht mit
Der Caritasverband Arnsberg-Sundern ist auch mit dabei. Mit orangefarbenen Bannern, Aufklebern, Plakaten und Beleuchtungen sowie einer schon von weitem ersichtlichen Fahne an der Geschäftsstelle sowie in mehreren Einrichtungen zeigt der Verband Haltung – für den Schutz und die Würde von Frauen und Mädchen. Sie sind noch immer viel zu häufig von Gewalt in unserer Gesellschaft betroffen.
„Diese gemeinsame Aktion mit dem ZONTA Club Arnsberg ist für uns ein starkes Bekenntnis zur Stärkung der Frauenrechte, das wir mit voller Überzeugung unterstützen“, so Christian Stockmann, sozialfachlicher Vorstand des Caritasverbandes mit den Caritas- Kolleginnen und Kollegen .
Jeder kann ein Zeichen setzen
ZONTA sagt: Nein zu Gewalt an Frauen – und Ja zu Respekt, Würde und Gleichberechtigung!
Wer ein sichtbares Zeichen setzen möchte, ist herzlich eingeladen, ebenfalls an der „Orange your City“ teilzunehmen. Schmücken Sie Ihre Fenster, Balkone oder Gebäude in leuchtendem Orange – und zeigen Sie, dass wir gemeinsam Farbe bekennen, so der Zonta Club, für eine Welt ohne Gewalt!
Weitere Aktionen
Darüber hinaus findet am 29. November ein kostenloser Selbstverteidigungskurs Krav Maga für Frauen und Mädchen statt. Ebenfalls am 29. November lädt die Gleichstellungsstelle zum Theaterstück „Die Komplizin – Die Frau die gegen Türen rannte“ um 18 Uhr in die KulturSchmiede Arnsberg ein.
Alarmierende Zahlen mahnen zum Handeln
„Die aktuelle Auswertung des Monitors Gewalt gegen Frauen des Deutschen Instituts für Menschenrechte zeigt: Gewalt gegen Frauen nimmt in Deutschland weiter zu – in allen Formen und in allen Altersgruppen“, so die Arnsberger Gleichstellungsbeauftragte Petra Blesel. Dabei ist Gewalt gegen Frauen eine Menschenrechtsverletzung. Die Istanbul-Konvention, seit 2018 in Deutschland geltendes Bundesrecht, verpflichtet Bund, Länder und Kommunen dazu, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, Betroffene zu schützen und Täter zur Verantwortung zu ziehen. Petra Blesel: „Gewalt gegen Frauen ist eine Form der Diskriminierung – Ausdruck ungleicher Machtverhältnisse und tief verankerter gesellschaftlicher Strukturen.“
Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2023 in Deutschland jeden Tag durchschnittlich registriert:
- 728 Fälle körperlicher Gewalt an Frauen,
- 171 Fälle sexualisierter Gewalt,
- 409 Fälle psychischer Gewalt,
- 55 Fälle digitaler Gewalt,
- 394 Stalkingfälle,
- sowie 32 mögliche Femizide pro Monat (2–3 pro Tag).
Diese Zahlen bildeten laut Petra Blesel aber nur die Spitze des Eisbergs. Studien zeigten, dass viele Taten nie zur Anzeige gebracht würden. Besonders erschütternd sei dabei die Zahl möglicher Femizide. „Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind – meist durch (Ex-)Partner. Diese Taten werden gesellschaftlich noch immer bagatellisiert. Doch wenn ein Mann eine Frau tötet, weil sie sich trennt, ist das Mord. 2023 wurden 909 Frauen und Mädchen Opfer eines versuchten oder vollendeten vorsätzlichen Tötungsdelikts“, so die Arnsberger Gleichstellungsbeauftragte.
Gewalt findet meist im sozialen Nahraum statt. Gewalt geschieht überwiegend dort, wo Frauen sich sicher fühlen sollten: in Beziehungen, Familien und im Bekanntenkreis.
2023 wurden registriert:
- 134.098 Fälle innerfamiliärer Gewalt,
- 48.377 Fälle von Partnerschaftsgewalt.
Petra Blesel: „Diese Zahlen sind ein Auftrag. Ein Auftrag an uns als Stadtgesellschaft, hinzusehen, laut zu bleiben und konsequent zu handeln. Gewalt gegen Frauen ist kein Randthema, sondern eine der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit. Die Betroffenen brauchen Unterstützung, Schutz und verlässliche Strukturen – und sie brauchen die klare Haltung einer ganzen Stadt.“
Unterstützung & Hilfe
Betroffene in Arnsberg finden u.a. hier Unterstützung:
- Frauenhaus Arnsberg: 02932 9009440
- Frauenberatungsstelle:02932 8987-703
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016 (24/7, anonym, mehrsprachig)
Aktionen in Meschede
Auch die Frauenberatungsstelle Meschede macht Aktionen. In der Mescheder Innenstadt werden elf orangefarbene Bänke aufgestellt – als sichtbares Symbol gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und als Einladung, genauer hinzusehen.
Gefertigt werden die Bänke in Kooperation mit dem Sozialwerk St. Georg LenneWerk gGmbH, finanziert durch Fördermittel des Gleichstellungsministeriums NRW.
Die Aktion erfolgt in Abstimmung mit dem Regionalen Aktionskreis gegen häusliche Gewalt im HSK.
Die Farbe Orange steht international für das Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Zahlen bleiben erschütternd: Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. In Deutschland wird durchschnittlich alle drei Tage eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet. Frauen und Mädchen mit Behinderung sind sogar zwei- bis dreimal häufiger betroffen.
Gewalt zeigt sich nicht nur in körperlichen Übergriffen. Auch strukturelle Ungleichheiten sind Ausdruck eines Systems, das Frauen benachteiligt: Sie verdienen in Deutschland noch immer rund 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer, sind in Führungspositionen seltener vertreten und übernehmen den Großteil unbezahlter Sorge- und Hausarbeit.
„Wir möchten, dass sich das ändert“, betont die Frauenberatung Meschede. Die orangen Bänke sollen zum Nachdenken anregen, Gespräche anstoßen und zeigen: Gewalt in jeder Form geht uns alle an. „Veränderung beginnt oft dort, wo es unbequem wird – und genau hier entsteht die Anerkennung davon, wo Gewalt wirklich anfängt.“
Begleitet wird die Initiative von der landesweiten Aktionswoche gegen Gewalt an Frauen, initiiert durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW. Zusätzlich macht eine Instagram-Kampagne der Frauenberatung auf Themen aufmerksam, die oft unsichtbar bleiben.
Unter dem Motto „Orange the World – sichtbare Zeichen gegen unsichtbare Gewalt“ setzen die Frauenberatung Meschede und der Regionale Aktionskreis gegen häusliche Gewalt gemeinsam ein klares Signal: Gewalt darf keinen Platz haben – nicht im Hochsauerlandkreis und nicht in unserer Gesellschaft.
Aktionen in Sundern
„Wir alle müssen uns der Realität der geschlechtsspezifischen Gewalt stellen und aktiv werden, um einen Beitrag zur Beendigung von Gewalt gegen Mädchen und Frauen zu leisten. Im Rahmen der Aktion rufen wir dazu auf, ein gemeinsames Zeichen zu setzen und auf die Missstände aufmerksam zu machen,“ so die Gleichstellungsstelle Sundern. Die Stadt Sundern zeigt sich solidarisch und setzt ein sichtbares Zeichen:
Das Rathaus wird in orangener Farbe beleuchtet. Zudem wird es am Donnerstag, 27.11.2025 und 04.12.2025 einen Informationsstand auf dem Wochenmarkt Sundern geben. Dort machen der Zonta Club Arnsberg, die Bürgermeisterin der Stadt Sundern und die Gleichstellungsstelle der Stadt Sundern von 10-12 Uhr auf das Thema aufmerksam.