
Im Sauerland laufen seit mehr als 15 Jahren Aktionen, um Ärztenachwuchs in die Region zu bringen. Junge Ärzte ziehen oft Ballungsgebiete vor, wenn sie eine Praxis gründen oder als Partner in eine Praxis einsteigen. Aktuell ist die Versorgung mit Hausärzten im HSK mit Ausnahme von Brilon gut, so die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe. In Winterberg ist aktuell keine Hausarztsitz frei, in Meschede, Schmallenberg und Sundern sind anderthalb Sitze frei, in Arnsberg und Marsberg je einer. Insgesamt gibt es im HSK für rund 260 800 Einwohner rund 160 Hausärzte. Arnsberg hat für seine rund 75 000 Einwohner 49 Hausärzte. Das bedeutet rein rechnerisch, das jeder Arzt rund 1530 Patienten betreut.
Fachärzte
Beim Blick auf die Fachärzte fällt auf das es kreisweit laut KWVL genügend Urologen, Augen-, Frauen-, HNO- und Hautärzte gibt. Kinderärzte dagegen fehlen. Zuletzt hatte Schmallenberg mit einer ungewöhnlichen Social Media Kampagne 2 Kinderärzte gefunden, die dort eine Praxis eröffnen wollen. 4 Kinderärzte könnten sich Stand November im Kreis ansiedeln. Auch in der psychotherapeutischen Versorgung fehlen kreisweit Psychiater und ärztliche Psychotherapeuten. In der Raumordnungsregion Arnsberg gibt es rund 93 000 unter 18-Jährige. Für sie gibt es 5 Kinder- und Jugendpsychologen, 2 Sitze sind unbesetzt.
Viele Ärzte sind älter als 60 Jahre
Jeder fünfte Hausarzt in Westfalen-Lippe ist laut Kassenärztlicher Vereinigung bereits älter als 65 Jahre, rund 40 Prozent haben die 60 bereits hinter sich. Seit Jahren gibt es Förderprogramme um Ärzte bei Praxisgründungen zu unterstützen. Beispielsweise die Initiative „Land in Sicht - Ärzte für morgen“ mit Bundeskanzler Merz als Schirmherr, um Haus- und Kinderärzte zu gewinnen. Seit 2012 vergibt der Hochsauerlandkreis Medizin-Stipendien. Über 60 angehende Ärztinnen und Ärzte haben die Unterstützung bisher in Anspruch genommen. Auch Städte wie Winterberg oder Schmallenberg bieten finanzielle Unterstützung für neue Landärzte an. Brilon und Olsberg sind über das Projekt "LocalHero" mit der Uni Witten/Herdecke aktiv, um junge Mediziner für das Landleben gewinnen.
Prognosen
Das Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung hat Zahlen zur Entwicklung der Hausärzteversorgung zusammengetragen. Auf einer interaktiven Karte ist zu sehen, wie der Stand der Versorgung jetzt ist und wie er sich bis 2040 entwickeln könnte. Besonders dramatisch ist die Entwicklung im Raum Brilon. Dort gibt es jetzt mit 76 Prozent schon eine Unterversorgung. Für 2040 zeigt die Studie eine Versorgung von nur noch über 50 Prozent. Selbst in Arnsberg, Sundern und Meschede, wo die Einwohner aktuell eine über 100 prozentige Versorgung mit Hausärzten haben, sinken die Zahlen. 2040 liegt der Versorgungsgrad nach der Studie nur noch zwischen 80 und 90 Prozent.