«Takeover - Voll vertauscht» mit den Lochmann-Zwillingen

Takeover - Voll vertauscht
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Verwechslungskomödie

München (dpa) - Vor gut einem Jahr wurde das Aus der Lochis besiegelt. YouTube ohne die Zwillingsbrüder, stattdessen ein virtueller Abschied.

«Ok Freunde, das hier ist unser letztes Video», sagte Roman Lochmann zum Entsetzen der Fans. Und Heiko erklärte: Eine Abschiedstour noch, «dann schließt sich das Kapitel - das Kapitel die Lochis». Doch von der Bildfläche sind die einstigen YouTube-Stars nicht verschwunden. Ein Musikalbum ist in Planung. Außerdem kommt nun ein Film mit den 21-Jährigen ins Kino. «Takeover - Voll vertauscht» von Florian Ross ist eine Verwechslungskomödie, die, abgesehen von ein paar Schwächen, amüsant und anrührend erzählt wird.

Anders als in ihrem ersten Kinofilm «Bruder vor Luder» spielen Roman und Heiko nicht sich selbst, sondern schlüpfen in richtige Rollen: Sie sind zwei 18-Jährige, die sich zufällig im Europa-Park in Rust über den Weg laufen. Danny (Roman Lochmann) träumt von einer Karriere als Musiker. Rückhalt bekommt er von seiner Mutter (Alexandra Neldel) und seinen Geschwistern. Sie haben zwar kaum Geld, halten aber fest zusammen. Ludwig (Heiko Lochmann) dagegen kommt aus einer reichen Familie, ist aber trotzdem ziemlich unzufrieden.

Als sich die Jungs treffen, stellen sie fest, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Spontan beschließen sie, ihr Leben zu tauschen. Doch nach einiger Zeit droht die Verwechslung aufzufliegen und plötzlich geht es drunter und drüber, in der Achterbahn im Freizeitpark ebenso wie bei den Gefühlen.

Eine Schwäche von «Takeover» sind die Klischees, vor allem, wenn es um die Familien geht. Arm und herzlich, so geht es bei Danny zu. Rührend und mit einer großen Portion Lebensweisheit kümmert sich seine Mutter um ihren Sohn und eine ganze Bande an Pflegekindern. Anders dagegen Ludwigs alleinerziehender Vater (Kai Wiesinger). Das Drehbuch zeichnet ihn als reich und abweisend. Ein Totalausfall als Vater, der nur aufs Geschäft schaut. Seinen Sohn schiebt er ins Internat ab und überlässt die Fürsorge ansonsten seinen Angestellten. Schade, dass die Geschichte hier über Stereotype nicht hinauskommt und vor allem die Figuren der Eltern so einiges an Vielschichtigkeit einbüßen.

Seine Qualitäten beweist der Film allerdings in den Szenen, in denen sich die Jugendlichen mit ihren Ängsten und Träumen auseinandersetzen. Heiko und Roman Lochmann zeigen mit ihrem natürlichen Spiel auf, in was für einem Zwiespalt sich Heranwachsende befinden. Einerseits unabhängig und cool, andererseits verletzlich und auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Dass es nicht zu sentimental wird, dafür sorgen Dannys Pflegeschwestern: die freche und extrem neugierige Lilly (Luna Marie Maxeiner - «Der Club der Roten Bänder») und die lebenskluge Gia, gespielt von «Bibi & Tina»-Star Lisa-Marie Koroll. Und noch einer mischt mit, den man sonst aus Formaten wie «taff» oder «The Voice of Germany» kennt: Thore Schölermann, der im Film als Moderator eines Gesangswettbewerbs sein Kinodebüt gibt.

Ein bisschen erinnert der Film von der Grundidee her an Erich Kästners Kinderroman «Das doppelte Lottchen». Sympathisch ist auch seine Botschaft: Geld, Erfolg und Macht sind nicht das Maß aller Dinge. Worauf es wirklich ankommt, ist der Zusammenhalt - und den gibt es im Zweifel umsonst.

Takeover - Voll vertauscht, Deutschland 2020, 87 Min., FSK ab 0, von Florian Ross, mit Heiko und Roman Lochmann, Alexandra Neldel

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