National Treasure - Ende einer Legende»

National Treasure - Ende einer Legende
© Joss Barrat (dpa)

TV-Tipp

Berlin (dpa) - Das Unheil bricht über Nacht und völlig unerwartet im unbeschwerten Leben von Paul Finchley (Robbie Coltrane) ein. Ausgerechnet er - der Komiker, den ganz England liebt - ist plötzlich im Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft. Vergewaltigungsvorwürfe stehen im Raum.

Die Tat soll Jahrzehnte zurückliegen. Am Vorabend stand der alternde Comedian noch im Smoking auf der Showbühne einer Preisverleihung. Jetzt stellt ihm eine Polizistin sehr direkte Fragen zu Sexualpraktiken. Die Arte-Serie «National Treasure - Ende einer Legende» (Donnerstag, 21.45 Uhr) skizziert die Höllenfahrt eines notorischen Fremdgängers, der von der Vergangenheit eingeholt wird.

Tiefer und tiefer gerät auch die Familie Finchleys in den Strudel der Anschuldigungen von immer mehr Frauen. Ratlos sitzt der massige Mann neben seiner Frau: «Wäre ich schuldig, würde ich sagen: "Ich bin unschuldig." Wäre ich unschuldig, würde ich sagen: "Ich bin unschuldig." Was also soll ich sagen?»

Seine Frau Marie (Julie Walters) und seine Tochter Dee (Andrea Riseborough) halten zu ihm - mit sehr drastischen Folgen. Ist der Komiker Opfer von Frauen, die auf seine Kosten Kasse machen wollen? Aber warum will dann gerade die Hauptbelastungszeugin ihre Story nicht verkaufen? Hat Finchley etwas zu verbergen? Hat er einfach nur geschickt verdrängt? In hochspannenden vier Teilen bleibt diese Frage bis zu den letzten Minuten offen.

Die Handlung von «Ende einer Legende», 2016 gedreht und 2018 erstmals bei Arte ausgestrahlt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Es ist erst wenige Jahre her, da erschütterte der Missbrauchsskandal um den BBC-Moderator Jimmy Savile das Vereinigte Königreich. Savile, 2011 unbehelligt mit 84 gestorben, soll sich seit den 70er Jahren an Hunderten Mädchen vergangen haben. Der «Top of the Pops»-Moderator soll sogar über Kinder in Krankenhausbetten hergefallen sein - geschützt von Beliebtheit, Geld, guten Kontakten und einer Kultur des Wegsehens in der BBC sowie in der ganzen britischen Gesellschaft.

Während Savile nicht mehr der Prozess gemacht werden konnte, gerieten plötzlich viele ältere Prominente in Erklärungsnot, was ihr früheres Sexleben angeht. Die Vorwürfe reichten von wilden Partys bis hin zu Vergewaltigung. Kurz darauf brach sich dann die MeToo-Debatte Bahn.

Robbie Coltrane, der in «Ende einer Legende» die Hauptrolle des in Ungnade gefallenen TV-Lieblings Paul Finchley spielt, gehört zur ersten Garde der britischen Schauspieler. Ältere Zuschauer kennen ihn noch aus der 90er-Jahre-Krimiserie «Für alle Fälle Fitz», in der er schon mal das Revierverhalten auf Männerklos ins Spiel brachte, um einen Mordfall zu lösen.

Jüngeren Zuschauern ist der Schotte vermutlich vor allem als Halbriese Rubeus Hagrid aus den «Harry Potter»-Filmen ein Begriff. Seine darstellerische Glanzleistung verleiht der Dramaserie die undurchsichtige Oberfläche, unter der sich etwas verstecken mag, das man vielleicht gar nicht wissen will.

© dpa-infocom, dpa:201013-99-931801/2

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